R. in meinem Herzen 

R. war mit mir in der Tagesklinik, als ich 2013 zum ersten Mal im Krankenhaus war. Ich konnte damals weder meine bipolare Störung annehmen, noch mir vorstellen, was das Ausmaß einer Angststörung mit einem macht, unter der sie gelitten hat.

Sie hat in jeder Pause gestrickt und immer ein Lächeln für mich gehabt, wenn wir uns in der Früh begrüßt haben. Nach kurzer Zeit war mir klar, was für ein warmherziger Mensch sie sein musste.

Freitag Vormittag, Einzelvisite. Da muss man warten und warten, bis man an der Reihe ist. Ich setze mich zu R. und sie meint, sie könne mir gerne beibringen, zu stricken. Ich bin Feuer und Flamme. Sie werde alles besorgen, ich brauche mich nicht vorzubereiten.

Am Montag drauf kommt sie in der Früh, mit einem dicken Wollknäuel und einer Rundstricknadel. Ich will immer wieder den falschen Faden nehmen, sie ist geduldig mit mir und erklärt mir alles fünf mal, wenn’s notwendig ist. Wenige Wochen später präsentiere ich ihr das Ergebnis, meinen ganzen Stolz: meinen ersten selbstgestrickter Schal!

Nach unserer gemeinsamen Zeit in der Klinik haben wir uns nur noch einmal gesehen, als ich sie rund ein Jahr später im Krankenhaus besucht habe. Was habe ich ihr mitgebracht? Ein Wollknäuel und meine liebsten Stricknadeln.

Und so asozial so manche dieser neuen Medien sein mögen, für eine Sache sind sie dennoch gut. So alle ein, zwei Jahr im Herbst schreibe ich R. und frage sie, wie es ihr geht. Nicht, ohne zu erwähnen, dass ich wieder mal im Strickfieber bin. Einmal habe ich ihr berichtet, dass ich mir mit Videos das Häkeln beigebracht habe. Ein anderes Mal habe ich ein Foto von einer Haube mitgeschickt, die ich selber gestrickt hatte.

Denn stricken und häkeln, das ist für mich mehr als ein Hobby. Die ersten Monate nach der Tagesklinik, als ich ohne Arbeit viel zuhause und noch im Krankenstand war, hat es mich wahrlich gerettet. Im Krankenhaus sind Handarbeiten schließlich Therapie und ich hab’s mir nachhause mitgenommen.

Mein Verhältnis zu R., das hauptsächlich darin besteht, dass ich oft mit einem warmen Gefühl im Bauch an sie denke, zeigt mir, wie verbunden und dankbar man einem Menschen sein kann, obwohl man ihn kaum sieht. Sie hat einen festen Platz in meinem Herz.

Es ist übrigens mal wieder an der Zeit, ihr zu schreiben.

Echt jetzt?

Ich frag’ mich, was mit den Leuten los ist.

Gestern sitz’ ich in der Straßenbahn, ein junger Mann mir gegenüber. In der Bim ist’s meistens recht kuschelig eng, also zwischen uns großzügig geschätzte vierzig Zentimeter Abstand, wenn überhaupt. Besagter Mann studiert seine Lernunterlagen mit mäßigem Interesse. Das wär’ an sich noch nichts Besonderes, mir ging’s genauso, als ich noch in der Schule war.

Jetzt war’s aber so, dass er gezählte fünf Mal innerhalb weniger Minuten sein Maul aufgerissen hat, um zu gähnen. Ohne sich die Hand vorzuhalten, versteht sich.

Dann bin ich in der U-Bahn und ich denk’ mir: seid ihr alle Ellbogen ausfahrende Aggro-Roboter?

Meine Mitfahrenden stürmen rein, als wenn’s Krieg geben würde, wenn sie jetzt keinen Sitzplatz ergattern. Auch die Bahn ist vollgestopft und es gibt dann besonders freundliche und intelligente Exemplare der Spezies Mensch, die sich mit Vorliebe bei den Türen zum Ein- und Aussteigen versammeln. Weiter drinnen im Waggon, wo man ebenso gut stehen und sich festhalten kann, herrscht gähnende Leere.

Ich mach’ das ja so: wenn ich bei der nächsten Haltestelle aussteige, suche ich die Nähe der Tür. Wenn ich länger fahre, gehe ich gen Waggoninneres, um Niemandem im Weg zu sein. Und ich find’ das gut so!

So manch einer meiner Mitpassanten muss jedoch unbedingt im Weg stehen, zumindest habe ich diesen Eindruck.

Also folgendes Bild: Die Leut’ tümmeln sich bei den Türen, und wenn jemand einsteigt – in der Früh zur Hauptverkehrszeit irgendwie kein Wunder, oder? – muss sich der/diejenige erst Mal in’s Innere des Waggons kämpfen. Und das machen die Leute mit Vorliebe mit einem grantigen, um nicht zu zusagen aggressiven, Gesichtsausdruck und mit ausgefahrenen Ellbogen. Kein „Entschuldigung, darf ich mal durch?“, sondern: Besagte Ellbogen raus und los geht’s.

Im übrigen bin ich dafür, dass es in Öffis eine Aufsichtsperson geben sollte. Die hätte die Aufgabe, Sitz- und Stehplätze zu verteilen, je nachdem, wie lange man fährt. Also zum Beispiel: „Aha, Sie fahren bis zur Endstation. Bitte nehmen Sie hier Platz.“ Oder: „Sie fahren vier Stationen? Bitte entfernen Sie sich von der Tür.“

Should I be worried?

Ich habe den Eindruck, T. schaut besorgt. Er fragt mich, ob es mir gut geht. „Ja.“, sage ich. Es dauert ein bisschen, aber schließlich kommt das Gespräch in die Gänge. Und ich schaffe es, ihm anzuvertrauen, dass ich mir in letzter Zeit schon ein bisschen Sorgen gemacht habe.

Warum? Weil ich so aktiv bin. Mir wird nicht so schnell langweilig, wenn es mir gut geht. Zeichnen, schreiben, kochen, backen, häkeln und stricken, und seit Neuestem auch nähen. Ich arbeite 20-25 Stunden pro Woche und habe somit einiges an Freizeit. Die weiß ich zu gestalten. Warum also sich Sorgen machen?

Weil ich manchmal, in diesen ruhigen Momenten, Angst davor habe, dass dieses wohlige Gefühl der Anfang einer Manie ist und das Ganze nach hinten losgehen wird.

Ob ich mich angetrieben fühle, fragt mich T. „Nein, aber am Anfang ist die Manie ja angenehm und das ist das Heimtückische daran.“, erwidere ich.

Vor genau zwei Jahren bin ich zum ersten – und bisher einzigen – Mal in diesen Zustand geschlittert. Bin auf meiner Couch gesessen und es war, als fiele es mir wie Schuppen von den Augen. Nach mehreren Phasen der Depression, sich endlich mal wieder gut zu fühlen und zu denken: „Das Leben ist schön!“

Ich habe auch mit meinem Facharzt darüber geredet. Er meinte, ich sei nun mal ein lebhafter Mensch und müsse mir erst Sorgen machen, wenn ich anfange, weniger als sechs Stunden zu schlafen und wenn mein Appetit abnimmt.

Lebhaft – es war schön, das zu hören. Weil es mich an die „gute, alte Zeit“ erinnert hat, bevor die Erkrankung ausgebrochen ist. Uni, zum Teil zwei bis drei Nebenjobs, Freizeitaktivitäten – all das unter einen Hut zu bringen, war jahrelang normal für mich. Vielleicht war es über einen längeren Zeitraum etwas zu viel, so dass die (Erschöpfungs-)Depression kommen musste? Ich weiß es nicht.

Was ich jedoch weiß ist, dass ich ein soziales Netz um mich herum habe, das mich liebt und auf mich schaut. T., meine Familie und Freundinnen. Dazu eine einfühlsame Therapeutin, die mich nach zwei Jahren Beziehungsarbeit ziemlich gut kennt und zu guter Letzt ein Facharzt, der mich seit meinem ersten Aufenthalt in der Psychiatrie im Sommer 2013 kennt.

Also. Wenn es mich freut, werde ich am Wochenende und an meinem freien Nachmittagen ganz einfach weiterhin zeichnen, schreiben, kochen, backen, häkeln, stricken und nähen. Irgendwann bin ich dann eh’ hundemüde und muss schlafen. Und solange das mit dem Schlafen gut geht, werde ich mir Mühe geben, nicht alles überzuinterpretieren.

Sondern: einfach mal das Leben genießen.

Ich seh’ das kritisch

Für den heutigen Beitrag genehmige ich mir einen Schluck Wein. Warum? Es geht um Politik – und um meine Familie.

Rückblende: 1992, meine Eltern trennen sich und meine Mutter E., mein Bruder D. und ich ziehen in eine neue Wohnung. In den folgenden Jahren lässt meine Mutter keine Gelegenheit unversucht, uns Lügen über die väterliche Seite der Familie aufzutischen und uns dadurch gegen sie aufzuhetzen. Mal abgesehen davon, dass sie den Kontakt zu ihnen erfolgreich torpediert, sprich letztendlich abgebrochen hat.

Was das mit Politik zu tun hat? Viel.

Ich bin in einem ungarischen Mikrokosmos am Stadtrand von Wien aufgewachsen, und das hat mir nicht gut getan. Was mir meine Mutter über „die“ österreichische Gesellschaft zu vermitteln versucht hat? Nun. Österreich sei ausländerfeindlich, und vor allem Frauen mit Migrationshintergrund seien hier praktisch Nichts. Das mag bis zu einem gewissen Grad sogar zutreffen, aber generalisieren – das bringt gar nichts, wie ich nicht erst auf der Uni gelernt habe.

Ich muss ein bisschen ausholen, denn ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der mütterliche Teil meiner Familie ein Sonderfall ist. Obwohl im Realsozialismus in Budapest aufgewachsen, hatte die Familie meiner Mutter ein Auto, eine Haushälterin, Privatlehrer, etc. Es gab also auch schon zu Zeiten des Eisernen Vorhanges eine gesellschaftliche, sprich ökonomische, Elite in Ungarn.

Und ich habe den Eindruck, E. denkt bis heute, sie habe gewisse Dinge im Leben schlichtweg verdient. Von meiner Tante väterlicherseits erfahre ich, dass meine Mutter drei Haushälterinnen hatte, als D. und ich klein waren. Knausrig sei der Papa angeblich gewesen und sie habe kaum Haushaltsgeld bekommen, meinte E. hingegen uns Kindern gegenüber – als hätte mein Vater sie dazu gezwungen, Hausfrau zu sein. Dieses und jenes gehört sich nach dem Knigge nicht, habe ich zuhause gelernt.

Und jetzt kommen wir zum größeren Zusammenhang.

„Der goldene Westen“ bzw. global betrachtet, der Norden, ist das, war er ist, weil er den Rest der Welt schamlos ausbeutet. Postkoloniale Beziehungen sind da ein Stichwort. Der globalisierte Kapitalismus ein weiteres. Kein Wunder, dass die Leute, in deren Herkunftsländern unsereins die Lebensbedingungen zerstört, das nicht länger hinnehmen und flüchten, um sich in einem nördlich gelegenen Land ein – ökonomisch betrachtet – besseres Leben aufzubauen. Da legt die ganze Familie zusammen, damit einer in’s Ausland gehen kann. Derjenige überweist dann einen großen Teil seines Einkommens an die Familie in der Heimat. Diese „remittances“ übersteigen schon lange die offiziellen Entwicklungshilfegelder so mancher nördlicher Regierung.

Ich denke, die wenigsten verlassen ihr Heimatland, weil sie abenteuerlustig sind. Es geht hier um Lebensbedingungen, die der pervertierte Kapitalismus und der globale, reiche Norden sukzessive zerstören!

Was das jetzt wieder mit meiner Familie zu tun hat? Standesdünkel. Ich glaube, ich habe weiter oben einen recht guten Eindruck davon vermittelt, dass meine Mutter gelinde gesagt etwas abgehoben ist. Als sie länger arbeitslos war uns einige dieser „Maßnahmen“ genannten Kurse besuchen musste, ist ihre Frustration und Überheblichkeit ungeniert aus ihr ausgebrochen. Mit „einfachen Leuten“ sei sie da im Kurs. Dieser Standesdünkel, sich aufgrund von vererbtem Reichtum und Status für etwas Besseres zu halten, entspricht meiner Ansicht nach dem globalen Norden.

Nach der Nationalratswahl in Österreich vor zwei Wochen meinte meine Psychotherapeutin übrigens, ich könnte etwas erreichen, wenn ich mich politisch engagiere. Tatsächlich habe ich unlängst zum ersten Mal mit dem Gedanken gespielt, aktiv zu werden. Weil Standesdünkel – ob familiär oder global – liegt mir nicht.

Hektik. Fehler!

Meine dritte Arbeitswoche im neuen Job. Die Chefin erklärt mir etwas. Schnell. Es klingt wie: „adhjfieadfhfeoqfjqoöf“. Ich habe nicht die Gelegenheit, mitzuschreiben, weil mein jobtechnisch überlebenswichtiger Block nicht in Griffweite liegt. Soll das Ganze aber in Zusammenarbeit mit der Stellvertreterin der Chefin machen, also mache ich mir erst Mal keine Sorgen. Sie wird schon wissen, wie’s geht.

Ich meine zwar, die Chefin ungefähr verstanden zu haben, bin mir aber nicht ganz sicher. Ich soll eine Rechnung vorbereiten, buchen sollen wir das Ganze aber erst am nächsten Tag, wenn der Kunde vorbeikommt und Bar bezahlt. Klingt einfach, oder? Naja. Nicht, wenn man in seinem ganzen Leben erst eine Handvoll Rechnungen geschrieben hat und das immer mit dem dazugehörigen Kassabeleg bei der Hand.

Ich bin noch im Stress-Modus, weil es mir eben zu schnell gegangen ist. Brabble der stellvertretenden Chefin etwas vor von wegen Rechnung schreiben, aber erst am nächsten Tag verbuchen.

Am selben Tag, ein paar Stunden später, steht sie vor mir, mit dem Kassabeleg. Ich, etwas stutzig, mache die Rechnung fertig.

So. Heute. Fliegt das Ganze auf und ich murmle: „Tut mir Leid.“

„Wir haben gestern darüber geredet, oder?“, fragt mich die Chefin höchstpersönlich.

Jetzt hätte ich anfangen können, auszuholen: Es ist mir am Vortag zu schnell gegangen, außerdem konnte ich nicht mitschreiben und eigentlich sollte sich die stellvertretende Chefin besser auskennen als ich, die Assistentin, nach drei Wochen im Job. Aber vernadern, das macht man wirklich nicht. Ich kann mir ja denken: „Ihre Stellvertreterin hat das genauso verbockt, wie ich!“, sagen würd’ ich das aber nie. Hätt’ ich aber gern, anstatt das Ganze ausschließlich auf meine Kappe zu nehmen.

Sage das alles aber nicht, sondern lieber ein zweites Mal: „Es tut mir Leid!“

Jetzt ist es so, dass ich aus diesem Fehler sicher gelernt habe. Weil mir jetzt die Konsequenzen klar sind. Wird etwas am falschen Tag gebucht, fehlt es im Umsatz des anderen Tages.

Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Aber wenn die Chefin mir das nächste Mal sagt: Rechnung vorbereiten, aber noch nicht buchen – dann wird mir klar sein, was sie damit meint. Alles halb so schlimm, oder?

It’s that time of the year again

Ich will ja nicht, sagen, dass ich ein Stubenhocker bin – aber ich bin nun mal gerne zuhause. Und das vor allem im Herbst und Winter. Nein, nicht, weil ich etwas gegen die Kälte habe. Sondern weil ich ohne schlechtes Gewissen – im Sommer muss man ja fast gut drauf sein und jeden Tag in’s Freie gehen – auf meinem Sofa sitzen und Folgendes machen kann: lesen, Musik hören, stricken und häkeln. Wenn ich die Couch ab und zu verlasse, dann, um einen Kuchen zu backen oder ein neues Brotrezept auszuprobieren.

Klingt das, als wäre ich um die Sechzig? Mag sein.

Unlängst in der Arbeit. Meine Kollegin M. muss lachen, als ich ihr erzähle – beichte? – dass ich Handarbeiten liebe. Sie meint, das sei doch etwas für alte Frauen. „Na, das ist schon länger wieder voll in Mode.“, versuche ich mich schüchtern zu erklären.

Jetzt ist es so, dass ich den Frühling und Sommer zwar mag. Aber diese gesellschaftliche Verpflichtung, die heiße Zeit des Jahres gefälligst zu genießen und jeden Abend in irgendeiner neuen hippen Strandbar am Donaukanal abzuhängen – das ist so gar nicht meins.

Ja, ich genieße es in den wärmeren Monaten, des Abends auf dem Balkon zu entspannen.

Dennoch, ich bin wohl die Personifizierung des Spruches „My home is my castle.“

Und wenn ich zurückdenke und mir die letzten fünf Jahre anschaue, fällt mir auf, dass für mich die beschissensten Phasen – sprich diejenigen, in denen ich mit leichten bis schweren Depressionen gekämpft habe – immer zwischen März und September waren. Es ist fast so, als wäre das meine innere Weigerung, gefälligst so zu sein, wie es große Teile der Gesellschaft vom Individuum heutzutage verlangen.

Aber was red’ ich eigentlich um den heißen Brei herum… Ich hab’ ja nicht mal eine Sonnenbrille. Genug gesagt, oder?

 

Achtung, Liebe!

Esmeralda und Ernesto sind vor einem Jahr in unser Leben getreten. Und manchmal, da frage ich mich, ob ich mir ab und zu etwas schwer mit ihnen tue, weil sie mir so ähnlich sind? Sehr eigenständig und manchmal auch bockig. Gekuschelt und gestreichelt wird, wenn sie es wollen, nicht wenn dem Frauchen oder Herrchen danach ist.

Vereinfacht gesagt bin ich die Strenge, T. der Sanftere. Damit will ich gar nicht sagen, ich sei herzlos. Aber wenn sie Blödsinn anstellen, schimpfe ich schon mal. T. bleibt dann immer ganz ruhig und sagt so etwas wie „Na, na, na“.

Ich muss aber auch festhalten, dass ich mich einmal aufrichtig bei ihnen entschuldigt habe. Dafür, dass ich so streng bin. Im Zuge dessen habe ich ihnen gesagt, dass ich sie sehr lieb habe, auch wenn es manchmal vielleicht nicht den Anschein hat. Habe sie gefragt, ob sie mir meine Strenge verzeihen können. Das war ein ganz inniger Moment.

Am Anfang des Sommers waren wir noch vorsichtiger – sicher auch ängstlicher – und haben die beiden noch nicht auf den Balkon gelassen, der hoch genug liegt, um sich zu verletzen, wenn man oder Katze runterspringen würde. „Ich muss ihnen mehr vertrauen und zutrauen“, dachte ich mir bald darauf. Und so dürfen sie mittlerweile hinaus, auch wenn T. und ich immer wieder nachschauen, ob alles in Ordnung ist.

So. Letzte Woche waren wir bei einer Freundin zu Besuch und haben Maurice kennengelernt. Der Kleine, noch keine zwölf Wochen alt, war entzückend. So ein richtiger Schmusekater. Wenn man ihn auf den Arm nimmt und „Bussi“ sagt, streckt er einem sein Schnäuzchen entgegen und man darf ihn abschmusen. T. war ebenfalls sehr angetan von ihm, nur dass ich noch einen Schritt weiter gegangen bin.

Wieder zuhause angekommen, gehe ich sofort in’s Netz, um im Tierheim nach einem Kätzchen zu schauen, das gerettet werden muss. Und dann sehe ich ein Foto von Zerba. Ein kleiner Tiger, ausgesetzt auf einem Feld in Rumänien. Mein Herz schlägt sofort ein bisschen höher.

Wenige Tage später telefoniere ich mit der Obfrau des Tierschutzhauses und habe nach dem Telefonat erste Zweifel. Warum? Bedingungslose Liebe.

Wenn man Kinder bekommt, hat man auch keine Garantie dafür, ob sie sich so entwickeln werden, wie man sich das wünscht. Man liebt sie trotzdem. Esmeralda und Ernesto sind unsere Kleinen, und ich hab’ sie sehr lieb, das steht fest! So lieb, dass ich mich dazu entschieden habe, keine dritte Katze in’s Haus zu holen.

Als ich T. gestern meinen Beschluss mitgeteilt habe, meinte er, er habe die ersten Tage, nachdem wir Maurice kennengelernt haben, ständig an ihn gedacht. Und er sei froh, dass sich das mittlerweile gelegt habe.

Wir waren also beide verliebt. Aber wie ich mittlerweile weiß, gibt es die wilde, kurz aufflackernde und ebenso schnell wieder abebbende Liebe, und die beständige, freundschaftliche Liebe. Ich entscheide mich für Letzteres. Denn Ernie und Esmi, die gehören zu uns.